Jedes Nachbarland tickt anders – und das steckt in den Daten
Gebietsstrukturen, Postleitzahlsysteme, Datenlage und Marktverhalten unterscheiden sich von Land zu Land erheblich. Wer das ignoriert, vergleicht Regionen, die nicht vergleichbar sind.
Für die meisten Unternehmen beginnt Expansion nebenan. Das hat gute Gründe: kurze Wege, ähnliche Kaufkraftniveaus, gemeinsamer Binnenmarkt, oft schon bestehende Kontakte. Aus Sicht der Analyse ist ein Nachbarland aber kein Anhängsel des Heimatmarkts, sondern ein eigenes System – mit eigener Verwaltungsgliederung, eigenem Postleitzahlsystem, eigenen Statistikbehörden und eigenen Datentraditionen.
Drei Dinge, die überall anders sind
Die Gebietsgliederung. Was in Deutschland der Landkreis ist, heißt in den Niederlanden COROP-Gebiet, in Frankreich Département, in Polen Powiat – und die Einheiten sind unterschiedlich groß, unterschiedlich zahlreich und nicht deckungsgleich. Der europäische NUTS-Standard schafft eine Brücke, aber keine echte Gleichheit.
Das Postleitzahlsystem. Vier Stellen in den Niederlanden, Belgien, Österreich, der Schweiz und Dänemark; fünf in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und Tschechien. Vor allem aber: In manchen Ländern liegt die feinste sinnvolle Analyseebene weit unterhalb der Postleitzahl, in anderen deutlich darüber. Und in Frankreich sind Postleitzahl und Gemeindeschlüssel zwei verschiedene Systeme, die sich nicht sauber ineinander überführen lassen.
Die Datenlage. Skandinavien und die Niederlande veröffentlichen kleinräumige Statistik in einer Tiefe, die in Deutschland ungewöhnlich ist. Andere Länder sind zurückhaltender, dort tragen kommerzielle Datenanbieter die Hauptlast. Beides ist arbeitsfähig – aber es beeinflusst, wie fein eine Analyse werden kann und was sie kostet.
Wie wir damit umgehen
Wir bewerten Regionen über Ländergrenzen hinweg nach denselben Regeln, indem wir die Daten auf eine gemeinsame Basis bringen: einheitlicher Gebietsstand, vergleichbare Merkmalsdefinitionen, dokumentierte Unterschiede dort, wo sie sich nicht auflösen lassen. Wie das konkret funktioniert, beschreibt der Beitrag Daten international vergleichbar machen.
Auf den folgenden Seiten finden Sie für jedes Land die Gebietsstruktur, die Datenlage und die Besonderheiten, die bei einer Expansion tatsächlich einen Unterschied machen. Ihre Geomarketing-Software lässt sich um jedes dieser Länder erweitern – mehr dazu unter Länder ergänzen.
Deutschland
Gebietsstruktur, PLZ-Ebenen und Datenlage in Deutschland – als Zielmarkt und als Vergleichsmaßstab.
Niederlande
PC4 und PC6, Randstad und Provinzen, offene CBS-Daten: was den niederländischen Markt ausmacht.
Belgien
Flandern, Wallonien, Brüssel: warum die Sprachgrenze für die Expansion nach Belgien entscheidend ist.
Luxemburg
Warum in Luxemburg die Tagesbevölkerung zählt: Grenzgänger, Kaufkraft und Mehrsprachigkeit.
Frankreich
Code Postal versus Code INSEE, IRIS als Feinebene und die Dominanz der Île-de-France.
Schweiz
Kantone, drei Sprachregionen, Hektarraster-Daten und die Nicht-EU-Besonderheiten der Schweiz.
Österreich
Bundesländer, Bezirke und Zählsprengel: der vertraute und doch eigenständige Markt Österreich.
Tschechien
Kraje und Okresy, Automotive-Cluster und West-Ost-Gefälle: der tschechische Markt.
Polen
Woiwodschaften, Powiaty und Metropolregionen: der größte Markt Mittelosteuropas im Detail.
Dänemark
Regionen, Kommunen und Sogne, Brücken statt Straßen und die Öresund-Region.
Italien
Regionen und Provinzen, Nord-Süd-Gefälle und kleinteilige Handelsstruktur.
Spanien
Autonome Gemeinschaften, Provinzen und die Saisonalität der Küstenregionen.
Schweden
Län, Kommuner und DeSO-Gebiete: warum Erreichbarkeit in Schweden alles entscheidet.
Europa & weltweit
NUTS-Systematik, harmonisierte europäische Daten und Karten für jedes Land der Welt.